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Zähneknirschen (Bruxismus)

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle zahnärztliche Beratung.

Zähneknirschen, in der Fachsprache Bruxismus, ist ein weit verbreitetes Phänomen, das häufig unbemerkt bleibt. Schätzungen zufolge knirscht etwa jeder fünfte Erwachsene zeitweise oder regelmäßig mit den Zähnen. Ob daraus Beschwerden entstehen, ist individuell verschieden. In diesem Ratgeber erfahren Sie, woran Sie Bruxismus erkennen, welche Ursachen und Folgen er haben kann und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Was ist Bruxismus?

Nach der aktuellen deutschen S3-Leitlinie (2019) bezeichnet Bruxismus eine wiederholte Aktivität der Kaumuskulatur, die sich als Zähneknirschen oder als festes Aufeinanderpressen der Zähne zeigt. Bruxismus wird heute zunächst als Verhalten verstanden und nicht als Krankheit. Er kann jedoch Folgen für Zähne, Muskeln und Kiefergelenke haben, und dann ist eine zahnärztliche Behandlung sinnvoll.

Man unterscheidet zwei Formen:

  • Schlafbruxismus: Knirschen oder Pressen während des Schlafs. Die Betroffenen bemerken es meist nicht selbst, weil es unbewusst abläuft
  • Wachbruxismus: Pressen oder Aufeinanderbeißen tagsüber, häufig bei Konzentration, Stress oder Anspannung. Typisch ist, dass die Zähne ohne Grund Kontakt haben, obwohl sie in Ruhe getrennt sein sollten

Beim Knirschen können Kräfte auftreten, die deutlich über der normalen Kaukraft liegen. Das erklärt, warum Zähne und Kiefergelenke bei dauerhafter Belastung Schaden nehmen können.

Bruxismus Symptome: Woran Sie Zähneknirschen erkennen

Typische Anzeichen sind:

  • Kieferschmerzen oder verspannte Kiefermuskeln, besonders morgens nach dem Aufwachen
  • Kopfschmerzen, vor allem im Bereich der Schläfen
  • Abgeflachte, abgeschliffene oder verkürzte Zähne
  • Feine Risse im Zahnschmelz
  • Empfindliche Zähne, zum Beispiel bei Kälte (mehr dazu im Ratgeber Empfindliche Zähne)
  • Knacken oder Reiben im Kiefergelenk
  • Eine eingeschränkte Mundöffnung
  • Zahnabdrücke an der Zunge oder an der Innenseite der Wangen
  • Knirschgeräusche, auf die Ihre Partnerin oder Ihr Partner Sie anspricht

Nicht jedes dieser Zeichen bedeutet automatisch Bruxismus. Eine eindeutige Einschätzung ist erst nach einer zahnärztlichen Untersuchung möglich.

Bruxismus Ursachen

Bruxismus entsteht in der Regel nicht durch eine einzelne Ursache. Nach heutigem Wissensstand wird er zentral gesteuert, also vom Nervensystem, und hängt mit mehreren Einflüssen zusammen:

  • Stress und Anspannung: Seelische Belastung gilt als einer der wichtigsten Faktoren, vor allem beim Wachbruxismus
  • Schlafstörungen: Unruhiger Schlaf und Atemaussetzer im Schlaf (Schlafapnoe) treten häufig zusammen mit Schlafbruxismus auf
  • Medikamente: Manche Arzneimittel, etwa bestimmte Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI, können Bruxismus begünstigen. Setzen Sie verordnete Medikamente jedoch nie eigenmächtig ab
  • Genussmittel: Nikotin, Alkohol und viel Koffein können das Knirschen verstärken
  • Veranlagung: In manchen Familien kommt Bruxismus gehäuft vor

Ein Fehlbiss galt früher als Hauptursache. Nach heutigem Stand ist die Zahnstellung dafür nicht verantwortlich. Ein Einschleifen der Zähne wird zur Behandlung von Bruxismus deshalb nicht empfohlen.

Bruxismus Folgen: Was Zähneknirschen bewirken kann

Bei starker oder lang anhaltender Belastung können folgende Folgen auftreten:

  • Abrasion: Der Zahnschmelz nutzt sich ab, die Zähne werden flacher, kürzer und empfindlicher
  • Brüche: Zahnhöcker, Füllungen oder Kronen können absplittern oder brechen
  • CMD: Eine craniomandibuläre Dysfunktion, also Beschwerden von Kiefergelenken und Kaumuskeln, kann mit Bruxismus zusammenhängen. Mehr dazu finden Sie unter CMD und Kiefergelenkbehandlung
  • Zahnfleischrückgang: Die Überlastung kann zum Rückgang des Zahnfleischs beitragen
  • Kopfschmerzen: Verspannte Kaumuskeln können Spannungskopfschmerzen begünstigen
  • Ohrgeräusche: In manchen Fällen wird ein Zusammenhang zwischen Kiefermuskulatur und Tinnitus beschrieben. Die Ursachen von Ohrgeräuschen sind vielfältig und sollten stets ärztlich abgeklärt werden

Diagnose beim Zahnarzt

Zur Untersuchung gehört zunächst ein Gespräch über Ihre Beschwerden, Ihren Schlaf und Ihre Belastungen im Alltag. Danach beurteilen wir die Zähne auf Schliffspuren und Risse und tasten die Kaumuskulatur ab. Auch die Beweglichkeit und Geräusche der Kiefergelenke werden geprüft. Besteht der Verdacht auf Atemaussetzer im Schlaf, kann eine Abklärung in der Schlafmedizin sinnvoll sein. Wir sprechen dies bei Bedarf mit Ihnen ab.

Bruxismus Therapie: Was bei Zähneknirschen helfen kann

Da sich die Ursachen oft nicht vollständig beseitigen lassen, steht bei der Behandlung der Schutz von Zähnen, Muskeln und Gelenken im Vordergrund. Häufig werden mehrere Bausteine kombiniert.

Aufklärung und Selbstbeobachtung

Wer weiß, wann und in welchen Situationen er presst, kann gegensteuern. Gerade beim Wachbruxismus ist das Bewusstmachen ein wichtiger erster Schritt.

Aufbissschiene (Knirscherschiene)

Eine individuell angefertigte Aufbissschiene wird meist nachts getragen. Sie schützt die Zähne vor weiterem Abrieb und kann die Kaumuskulatur und die Kiefergelenke entlasten. Das Knirschen selbst verhindert sie nicht zwingend. Wir fertigen die Schiene passgenau in unserem hauseigenen Dentallabor an.

Physiotherapie und manuelle Therapie

Gezielte Übungen und manuelle Behandlung können verspannte Kaumuskeln lockern. Bei Bedarf arbeiten wir dafür mit Physiotherapeuten zusammen.

Entspannung, Schlafhygiene und Biofeedback

Verfahren wie die progressive Muskelentspannung, Achtsamkeitsübungen oder regelmäßige Bewegung können Anspannung abbauen. Feste Schlafzeiten, ein ruhiges Schlafzimmer und wenig Koffein am Abend unterstützen einen erholsamen Schlaf. Als weitere Option gibt es Biofeedback-Verfahren, die das Bewusstsein für die Muskelspannung schulen. Liegt eine Schlafapnoe vor, ist deren Behandlung ein eigener wichtiger Schritt, zum Beispiel mit einer Schnarchschiene, sofern dies medizinisch passt.

Botulinumtoxin

In ausgewählten Einzelfällen wird Botulinumtoxin eingesetzt, um die Kaumuskulatur zu entspannen. Diese Anwendung erfolgt außerhalb der Zulassung (Off-Label), ist keine Standardbehandlung und wird nur nach sorgfältiger Abwägung durch entsprechend erfahrene Behandler erwogen.

Zahnschäden versorgen

Sind durch das Knirschen bereits Schäden entstanden, lassen sich diese zahnärztlich versorgen:

Ist Bruxismus heilbar?

Realistisch betrachtet lässt sich Bruxismus nicht in jedem Fall vollständig beseitigen. Er schwankt oft mit Lebensphasen und Belastungen. In der Regel lässt er sich aber gut beherrschen: Mit Schiene, Entspannung und Selbstbeobachtung können Beschwerden häufig deutlich nachlassen, und Folgeschäden an den Zähnen lassen sich begrenzen.

Übungen und Selbsthilfe bei Zähneknirschen

Diese einfachen Übungen können Sie täglich durchführen. Sie ersetzen keine zahnärztliche Behandlung, können sie aber ergänzen:

  1. Kieferlockerung: Legen Sie die Zungenspitze an den Gaumen direkt hinter die oberen Schneidezähne. Öffnen und schließen Sie den Mund langsam zehnmal, ohne dass die Zähne sich berühren
  2. Wärmeanwendung: Legen Sie ein warmes Tuch auf die Kiefermuskulatur seitlich vor den Ohren und massieren Sie den Bereich sanft mit kreisenden Bewegungen
  3. Bewusstes Loslassen: Stellen Sie sich mehrmals am Tag einen Wecker. Prüfen Sie dann, ob Ihre Zähne aufeinanderliegen. Wenn ja, lösen Sie den Kontakt bewusst
  4. Ruheposition einüben: Lippen locker geschlossen, Zähne leicht voneinander getrennt, Zunge ruht am Gaumen. Prägen Sie sich diese Haltung ein und nehmen Sie sie immer wieder ein
  5. Merkzettel im Alltag: Kleine Erinnerungen am Bildschirm oder am Schreibtisch helfen, das Pressen bei Konzentration zu bemerken
  6. Abendroutine: Ein ruhiger Tagesausklang ohne Bildschirm, mit Wärme am Kiefer und einigen Minuten Entspannung kann die Muskelspannung vor dem Schlafen senken

Tipps für den Alltag und die Nacht

Neben der zahnärztlichen Behandlung können Sie selbst einiges beitragen. Achten Sie darauf, ob Sie tagsüber beim Lesen, am Bildschirm oder im Straßenverkehr die Zähne aufeinanderpressen. Verzichten Sie abends möglichst auf Alkohol und größere Mengen Koffein, weil beides den Schlaf beeinflussen kann. Kauen Sie nicht dauerhaft Kaugummi und vermeiden Sie das Knabbern an Stiften oder Fingernägeln, damit die Kaumuskeln Erholung bekommen. Wer sich in einer belastenden Lebensphase befindet, sollte auch professionelle Unterstützung in Betracht ziehen, etwa durch Hausärztin, Hausarzt oder Psychotherapie.

Bruxismus bei Kindern

Auch Kinder knirschen häufig, vor allem im Milchgebiss und im Zahnwechsel. Das ist in der Regel vorübergehend und verliert sich oft von selbst. Dennoch sollte die Zahnärztin oder der Zahnarzt Zähne und Kiefer im Blick behalten, besonders bei Kopf- oder Kieferschmerzen, stark abgeriebenen Zähnen oder unruhigem Schlaf. Eltern finden Informationen zum Kinderzahnarzt in Düsseldorf auf unserer Seite. Auch die regelmäßige Vorsorge hilft, Abnutzung früh zu bemerken.

Kosten und Kassenleistung

Bei einem entsprechenden zahnärztlichen Befund wird die Aufbissschiene in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen als Kassenleistung getragen. Ob das auf Sie zutrifft, hängt von der Untersuchung und Ihrer Versicherung ab. Ergänzende Behandlungen oder Versorgungen von Zahnschäden können abweichend geregelt sein. Vor der Behandlung erstellen wir für Sie einen Heil- und Kostenplan, in dem die Leistungen und der Anteil, den Sie tragen, aufgeführt sind.

Wann zum Zahnarzt?

Wir empfehlen eine Untersuchung, wenn Sie:

  • morgens häufig mit Kiefer- oder Kopfschmerzen aufwachen
  • abgeschliffene, empfindliche oder abgebrochene Zähne bemerken
  • Knacken oder Schmerzen im Kiefergelenk spüren
  • auf Knirschgeräusche in der Nacht angesprochen werden
  • den Mund nicht mehr gut öffnen können

Bei anhaltenden Beschwerden lesen Sie auch unseren Ratgeber zu Zahnschmerzen.

Bruxismus-Beratung in unserer Praxis in Düsseldorf

In unserer Zahnarztpraxis in Düsseldorf untersuchen wir Zähne, Muskeln und Kiefergelenke und besprechen mit Ihnen die passenden Schritte. Die Aufbissschiene entsteht in unserem hauseigenen Labor. Vereinbaren Sie einen Termin unter 0211 – 497 67 69 oder online.

Häufige Fragen zum Zähneknirschen

Ist Bruxismus heilbar?
Eine vollständige Heilung ist nicht in jedem Fall zu erwarten, denn die Ursachen liegen häufig in Anspannung und Schlafverhalten. Die Beschwerden lassen sich jedoch meist gut beherrschen. Schiene, Entspannung und Selbstbeobachtung können die Belastung für Zähne, Muskeln und Gelenke deutlich senken. Bei manchen Menschen lässt das Knirschen mit veränderten Lebensumständen von allein nach.
Zahlt die Krankenkasse die Knirscherschiene?
Bei einem entsprechenden zahnärztlichen Befund übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Aufbissschiene in der Regel als Kassenleistung. Ob das in Ihrem Fall zutrifft, hängt vom Befund und von Ihrer Versicherung ab. Für privat Versicherte gelten die Bedingungen des jeweiligen Tarifs. Vor Beginn der Behandlung bekommen Sie von uns einen Heil- und Kostenplan zur Prüfung.
Woher weiß ich, ob ich nachts mit den Zähnen knirsche?
Ein erster Hinweis sind Verspannungen im Kiefer oder Schläfenbereich nach dem Aufwachen. Auch glatte, abgeflachte Kauflächen oder Zahnabdrücke an der Zunge können darauf hindeuten. Manchmal bemerkt es die Partnerin oder der Partner am Geräusch. Sicherheit gibt eine zahnärztliche Untersuchung, bei der Zähne, Kaumuskeln und Kiefergelenke gezielt beurteilt werden.
Können Kopfschmerzen vom Zähneknirschen kommen?
Ja, das ist möglich. Die Kaumuskulatur setzt unter anderem an der Schläfe an. Wenn sie über Stunden angespannt ist, können dumpfe Schmerzen in diesem Bereich oder im Hinterkopf auftreten, häufig schon am Morgen. Weil Kopfschmerzen viele Ursachen haben, sollte ein Zusammenhang ärztlich oder zahnärztlich abgeklärt und nicht vorschnell angenommen werden.
Hilft eine Schiene aus der Drogerie?
Vorgefertigte oder selbst anzupassende Schienen sitzen oft weniger genau. Sie können Druckstellen verursachen oder den Biss ungünstig beeinflussen, und niemand prüft, ob sie zu Ihrem Befund passen. Eine im Labor nach Abdruck oder Scan gefertigte Schiene wird auf Ihr Gebiss abgestimmt und zahnärztlich kontrolliert. Lassen Sie sich deshalb vor der Anschaffung einer Schiene in der Praxis beraten.
Wie lange muss ich die Aufbissschiene tragen?
Das richtet sich nach Ihrem Befund und dem Ziel der Behandlung. Zum Schutz der Zähne wird die Schiene meist über längere Zeit regelmäßig nachts getragen, solange das Knirschen anhält. Bei Muskel- oder Gelenkbeschwerden kann sie zeitlich begrenzt eingesetzt werden. Bei Kontrollterminen prüfen wir Passform und Abnutzung und besprechen das weitere Vorgehen mit Ihnen.
Dr. med. dent. Efthymios Pantas – Zahnarzt Düsseldorf

Ihr Ansprechpartner

Dr. med. dent. Efthymios Pantas M.Sc. M.Sc.

Geschäftsführer & Zahnarzt

Verfasst und geprüft von Dr. Pantas -- Zahnarzt in Düsseldorf seit 2006. Schwerpunkte: Implantologie (M.Sc.) und ästhetische Zahnmedizin.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine professionelle zahnärztliche Beratung. Bei Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihren Zahnarzt.