Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle zahnärztliche Beratung.
Kreidezähne, in der Fachsprache Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH), sind eine Entwicklungsstörung des Zahnschmelzes, die vor allem die ersten bleibenden Backenzähne und die Schneidezähne betrifft. Die betroffenen Zähne sind weicher, poröser und empfindlicher als gesunde Zähne und zeigen weißlich-gelbliche bis bräunliche Flecken. Hier lesen Sie, wie Sie Kreidezähne bei Ihrem Kind erkennen, was die Ursachen sind, welche Behandlung je nach Schweregrad sinnvoll ist und was Sie zu Hause tun können.
Was sind Kreidezähne?
Bei Kreidezähnen ist der Zahnschmelz nicht ausreichend mineralisiert: Er enthält zu wenig Kalzium und Phosphat. Dadurch ist er weicher als normaler Zahnschmelz und kann im Extremfall die Konsistenz von Kreide haben, daher der Name. Die betroffenen Zähne sind nicht nur sichtbar verändert, sondern auch deutlich anfälliger für Karies und reagieren oft schon auf Kälte, Wärme oder Luftzug mit Schmerzen.
MIH ist häufig: Die Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie fand bei fast jedem dritten 12-jährigen Kind mindestens einen betroffenen Zahn. Schwer betroffen, also mit abgeplatztem Schmelz und Behandlungsbedarf, ist etwa jedes zwanzigste Kind. Damit zählt MIH zu den häufigsten Zahnerkrankungen im Kindesalter, noch vor der Karies.
Kreidezähne erkennen: So sehen sie aus
- Verfärbungen: Scharf begrenzte weißliche, cremefarbene, gelbliche oder bräunliche Flecken, die sich nicht wegputzen lassen. Je dunkler der Fleck, desto weicher ist der Schmelz darunter meist
- Empfindlichkeit: Die Zähne reagieren auf heiße, kalte oder süße Speisen, manchmal schon auf kalte Luft beim Einatmen
- Poröse Oberfläche: Der Zahnschmelz wirkt rau, stumpf und unregelmäßig
- Schmelz bricht ab: In schweren Fällen platzen Teile des Zahnschmelzes ab, besonders an den Kauflächen der Backenzähne, oft schon kurz nach dem Durchbruch
- Schmerzen beim Zähneputzen: Betroffene Kinder verweigern oft das Putzen der hinteren Zähne, weil es wehtut
- Immer neue Karies an denselben Zähnen: Füllungen halten an MIH-Zähnen schlechter, weil der Schmelz am Rand weich ist
Kreidezähne werden typischerweise sichtbar, wenn die ersten bleibenden Backenzähne und die Schneidezähne im Alter von 6 bis 8 Jahren durchbrechen. Oft sind nur einzelne Zähne betroffen, und die Ausprägung kann von Zahn zu Zahn sehr unterschiedlich sein. Weiße Flecken an den Schneidezähnen fallen Eltern meist zuerst auf; die eigentlich problematischen Zähne sind aber die Backenzähne, weil sie beim Kauen belastet werden.
Kreidezähne bei Milchzähnen
Seltener sind auch die zweiten Milchbackenzähne betroffen. Fachleute sprechen dann von einer Milchmolaren-Hypomineralisation (MMH). Sie gilt als Hinweis darauf, dass auch die bleibenden Zähne betroffen sein könnten, und ist ein Grund für engmaschige Kontrollen beim Kinderzahnarzt.
Ursachen von Kreidezähnen
Die genauen Ursachen der MIH sind noch nicht abschließend geklärt. Sicher ist der Zeitraum: Die Störung der Zahnschmelzbildung findet zwischen dem letzten Schwangerschaftsdrittel und dem 4. Lebensjahr statt, also in der Phase, in der sich der Schmelz der ersten bleibenden Backenzähne und der Schneidezähne bildet. Alles, was den Körper in dieser Zeit stark belastet, kann die Schmelzbildung stören.
Als mögliche Ursachen und Risikofaktoren werden diskutiert:
- Erkrankungen in der frühen Kindheit: Häufige Infekte, hohes Fieber, Lungenentzündungen, Bronchitis, Mittelohrentzündungen oder Windpocken in den ersten Lebensjahren
- Antibiotika-Einnahme: Bestimmte Antibiotika in den ersten Lebensjahren; unklar ist, ob das Medikament oder die Erkrankung dahinter die Ursache ist
- Komplikationen rund um die Geburt: Frühgeburt, niedriges Geburtsgewicht, Sauerstoffmangel bei der Geburt
- Vitamin-D-Mangel in der Schwangerschaft oder im Säuglingsalter
- Umweltschadstoffe: Bisphenol A (BPA) und Weichmacher in Kunststoffen stehen im Verdacht, ein Beweis am Menschen fehlt bisher
- Erbliche Veranlagung: Bestimmte Genvarianten könnten Kinder anfälliger machen; Kreidezähne sind aber nicht einfach erblich und nicht ansteckend
Wichtig für Eltern: Kreidezähne sind keine Folge von falschem Zähneputzen oder zu vielen Süßigkeiten. Die Störung ist bereits entstanden, bevor der Zahn im Mund sichtbar wird. Was Sie beeinflussen können, ist der weitere Verlauf: Mit guter Pflege und früher Behandlung bleiben die Zähne meist lange erhalten.
Behandlung von Kreidezähnen
Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der MIH. Ziel ist immer, Zahnsubstanz zu erhalten, Schmerzen zu nehmen und Karies zu verhindern:
Leichte Fälle (Verfärbungen, leichte Empfindlichkeit)
- Intensivfluoridierung: Regelmäßiges Auftragen hochdosierter Fluoridlacke in der Zahnarztpraxis, meist alle drei Monate, härtet die Oberfläche und schützt den geschwächten Zahnschmelz
- Desensibilisierung: Spezielle Pasten und Lacke können die Empfindlichkeit reduzieren, damit das Zähneputzen wieder möglich wird
- Versiegelung: Die Kauflächen und Fissuren werden mit einem Schutzlack versiegelt, um das Kariesrisiko zu senken; die Versiegelung wird bei jeder Kontrolle geprüft und bei Bedarf erneuert
Mittlere Fälle (Substanzverlust)
- Füllungstherapie: Abgebrochene oder kariöse Bereiche werden mit zahnfarbenen Kompositfüllungen versorgt. Dabei wird der weiche Schmelz am Rand entfernt, damit die Füllung dicht hält
- Aufbau-Füllungen: Stark geschädigte Kauflächen können mit Komposit aufgebaut werden, auch als Übergangslösung bis zum Abschluss des Zahnwechsels
Schwere Fälle
- Stahlkronen: Bei stark zerstörten Backenzähnen schützen konfektionierte Stahlkronen den Zahn, bis er im Jugendalter mit einer Teilkrone oder Krone aus Keramik versorgt werden kann
- Extraktion: In seltenen, sehr schweren Fällen kann die Entfernung des betroffenen Zahns sinnvoll sein, idealerweise im Alter von etwa 8 bis 10 Jahren, damit der nachfolgende Backenzahn in die Lücke nachrücken kann. Diese Entscheidung treffen wir gemeinsam mit Ihnen und bei Bedarf mit einem Kieferorthopäden
Betäubung bei Kreidezähnen
Viele Eltern berichten, dass die Betäubung bei ihrem Kind „nicht richtig gewirkt“ hat. Das ist bei MIH tatsächlich häufiger: Durch den porösen Schmelz ist der Zahnnerv dauerhaft gereizt und spricht auf eine normale örtliche Betäubung schlechter an. Wir planen die Betäubung deshalb besonders sorgfältig und arbeiten in kurzen, kindgerechten Schritten. Bei sehr ängstlichen Kindern oder umfangreicher Behandlung ist eine Behandlung in Vollnarkose möglich.
Kreidezähne bei Jugendlichen und Erwachsenen
Kreidezähne wachsen sich nicht aus: Die betroffenen Zähne bleiben ein Leben lang MIH-Zähne. Bei Jugendlichen und Erwachsenen fallen sie als empfindliche oder verfärbte Backenzähne auf, die immer wieder neue Füllungen brauchen. Ab dem Ende des Wachstums lassen sich stark geschädigte Zähne dauerhaft mit Teilkronen oder Kronen aus Keramik versorgen. Verfärbte Schneidezähne können je nach Befund mit Komposit, einer schonenden Infiltration oder Veneers verbessert werden.
Tipps für Eltern
- Frühe und regelmäßige Zahnarztbesuche: Ab dem ersten Zahn zum Kinderzahnarzt, damit Kreidezähne schon beim Durchbruch erkannt und geschützt werden
- Fluoridhaltige Zahnpasta: Ab dem sechsten Lebensjahr wird Zahnpasta mit 1.450 ppm Fluorid empfohlen; bei hohem Risiko besprechen wir eine höhere Dosierung
- Weiche Zahnbürste und lauwarmes Wasser: Reduziert Schmerzen beim Putzen; bei sehr empfindlichen Zähnen hilft eine Zahnpasta für empfindliche Zähne
- Geduld: Kreidezähne sind für Kinder oft schmerzhaft. Motivieren Sie Ihr Kind zum Zähneputzen, auch wenn es unangenehm ist; gute Mundhygiene ist bei MIH besonders wichtig
- Zuckerkonsum und saure Getränke einschränken: Geschädigter Zahnschmelz ist besonders kariesanfällig und wird durch Säure zusätzlich angegriffen
- Engmaschige Kontrollen: Alle 3 bis 6 Monate zum Zahnarzt, um Versiegelungen und Füllungen zu prüfen und Fluoridlack aufzutragen
Kreidezähne in unserer Praxis in Düsseldorf
In unserer Zahnarztpraxis in der Düsseldorfer Altstadt behandeln wir Kreidezähne bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Unser Team geht einfühlsam mit den kleinen Patienten um und stimmt die Behandlung individuell auf den Schweregrad der MIH ab. Wir erstellen einen langfristigen Behandlungsplan und begleiten Ihr Kind engmaschig durch den Zahnwechsel. Bei Fragen erreichen Sie uns unter 0211 – 497 67 69.
Häufige Fragen zu Kreidezähnen
Was sind Kreidezähne?
Sind Kreidezähne heilbar?
Sind Kreidezähne vererbbar oder ansteckend?
Haben auch Erwachsene Kreidezähne?
Warum wirkt die Betäubung bei Kreidezähnen oft schlechter?
Welche Zahnpasta ist bei Kreidezähnen richtig?
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine professionelle zahnärztliche Beratung. Bei Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihren Zahnarzt.
